Erzählen, was gesagt wurde
Unter den acht Analysemodi von Metamorfon ist die Integrative Synthese zugleich der unmittelbar nützlichste und der am wenigsten spektakuläre. Der unmittelbar nützlichste, weil jemand, der gerade eine Debatte über neun Runden zwischen zwei oder drei Modellen geführt hat, zunächst ein einfaches Bedürfnis hat: zu wissen, was darin gesagt wurde.
Der am wenigsten spektakuläre, weil das Zusammenfassen von Inhalten zunächst nicht wie eine eigenständige kognitive Operation erscheint — man könnte meinen, genau das täten Modelle ohnehin ständig.
Diese scheinbare Selbstverständlichkeit verdeckt jedoch die eigentliche Schwierigkeit des Modus. Eine Debatte zu synthetisieren ist nicht dasselbe wie einen Text zusammenzufassen. Ein Text besitzt eine vorgegebene Ordnung — einen Autor, eine Entwicklung, eine These — und die Zusammenfassung folgt dem, was der Autor angelegt hat. Eine Debatte dagegen besteht aus mehreren, mitunter nicht synchronen Stimmen, die Argumente aufgreifen, umformulieren, bestreiten und sich wechselseitig aneignen. Ihr argumentativer Verlauf ist nicht linear.
Diese besondere Schwierigkeit der Dialogzusammenfassung ist auch in der Forschung zur automatischen Sprachverarbeitung dokumentiert: Koreferenzen, Dialogakte und die Interaktionen zwischen verschiedenen Sprechern stellen gegenüber der Zusammenfassung fortlaufender Texte eigene Anforderungen dar (Xu, Zhu & Zeng, EMNLP 2022).
Was ein Modell in Runde 3 gesagt hat, kann in Runde 5 umformuliert, in Runde 6 widerlegt und in Runde 8 nach einer Benutzerintervention erneut anders formuliert werden. Diese Bewegung zu rekonstruieren — wer was wann, als Antwort worauf und mit welcher Wirkung gesagt hat — verlangt mehr als bloße Verdichtung. Sie verlangt eine narrative Rekonstruktion des begrifflichen und argumentativen Verlaufs der Debatte.
Für eine solche Operation bietet die Erzähltheorie einen besonders aufschlussreichen Begriff: die Fabelkomposition.
Fabelkomposition und narrative Konfiguration bei Ricœur
In Zeit und Erzählung entwickelt Paul Ricœur einen Begriff, der besonders gut verständlich macht, was eine Integrative Synthese mit einer Debatte leistet. Mit der Fabelkomposition — in Aufnahme und Umformung des aristotelischen mythos — bezeichnet er jene konfigurierende Operation, durch die heterogene Ereignisse zu einem verständlichen Zusammenhang zusammengefügt werden.
Die Fabelkomposition fügt bei Ricœur nicht einfach eine Erzählung zu bereits gegebenen Tatsachen hinzu. Sie vollzieht zwei Operationen zugleich: Sie wählt aus den Ereignissen jene aus, die für den dargestellten Verlauf bedeutsam sind, und sie konfiguriert sie, indem sie sie zu einem verständlichen Ganzen in Beziehung setzt. Ein Chronist kann aufzählen, was geschehen ist; ein Erzähler macht daraus eine Geschichte. Narrative Konfiguration verwandelt eine Vielzahl von Ereignissen in einen nachvollziehbaren Verlauf.
Diese Operation ist mehr als eine editorische Erleichterung. Sie steht bei Ricœur im Zusammenhang mit den Aporien der Zeiterfahrung: Zeit in ihrem bloßen Verstreichen entzieht sich einer einfachen begrifflichen Erfassung; durch narrative Konfiguration erhält sie eine verständliche Gestalt. Für eine Debatte stellt sich ein vergleichbares Problem: Die rohe Abfolge der Runden ist voller Wiederholungen, Umformulierungen und stillschweigender Aufnahmen, deren Bedeutung beim bloßen Lesen der Sequenz nicht unmittelbar sichtbar wird.
Ohne eine solche Konfiguration kann jemand, der zu einer langen Debatte zurückkehrt, leicht den Faden verlieren — jede Runde steht zunächst neben den anderen, ohne dass unmittelbar sichtbar wird, warum eine Position aufgegeben wurde, weshalb ein Zugeständnis entscheidend war oder wie eine Intervention den weiteren Verlauf verändert hat.
Die Integrative Synthese wendet Ricœur nicht an — ebenso wenig wie die anderen Modi Foucault, Deleuze, Whitehead, Simondon oder Lyotard anwenden. Ihr grundlegender Gestus — eine Abfolge von Runden zu einem verständlichen argumentativen Verlauf neu zusammenzusetzen — findet in Ricœurs Begriff der Fabelkomposition jedoch einen besonders aufschlussreichen Bezugspunkt. Die Synthese soll der Debatte keine Positionen hinzufügen, die dort nicht vorkommen; sie wählt aus und konfiguriert neu, was sich tatsächlich ereignet hat, um dessen Entwicklung lesbar zu machen.
Reichweite und Grenzen der Integrativen Synthese
Eine gut konstruierte Integrative Synthese rekonstruiert vier ineinandergreifende Ebenen einer Debatte, und zwar in einer festen Reihenfolge.
Zunächst rekonstruiert sie die Ausgangsrahmung — die Positionen, die jedes Modell in der Eröffnungsrunde einnimmt, ihre Schwerpunkte, ordnenden Kategorien und sichtbaren Voraussetzungen. Sie bilden das Ausgangsmaterial der folgenden Darstellung; wird diese Anfangsrahmung falsch rekonstruiert, verzerrt sich auch alles Weitere.
Danach rekonstruiert sie den argumentativen Verlauf — wer einen Rahmen, einen Begriff oder ein Kriterium eingeführt hat, wie die anderen Stimmen darauf reagiert haben, welche Einwände erhoben, welche Positionen umformuliert und welche Zugeständnisse gemacht wurden. Ein Element kann auch durch eine Benutzerintervention in die Debatte gelangen: Die Synthese schreibt es dann dieser Intervention zu, statt es nachträglich einem Modell zuzuschreiben. Hier liegt der Kern der narrativen Konfiguration: Eine Folge von Runden wird zu einer kohärenten Entwicklung.
Die Darstellung folgt der Zirkulation der Argumente, nicht einer Rangordnung der Teilnehmer.
Diese Rekonstruktion ist keine bloße chronologische Aufzählung. Sie identifiziert ausdrücklich die Wendepunkte der Debatte — jene Momente, in denen sich Richtung, Ton oder Rahmen verändern — und unterscheidet dabei verschiedene Typen: Zugeständnis (ein Modell akzeptiert einen zuvor bestrittenen Punkt), Positionswechsel (ein Modell verändert seine Position), Rahmenverschiebung (der begriffliche Bezugsrahmen verändert sich, ohne dass dies von den Modellen ausdrücklich thematisiert wird) und strukturierende Benutzerintervention (eine Frage oder Nachfrage, die den weiteren Verlauf neu ausrichtet).
Der Rückzug eines zuvor vertretenen Arguments wird beispielsweise als Zugeständnis erfasst. Eine Benutzerfrage kann dagegen einen neuen Prüfmaßstab einführen und dadurch als strukturierende Intervention wirken; ein Wechsel von einer Sachfrage zu der Frage, anhand welcher Kriterien sie überhaupt beurteilt werden soll, kann eine Rahmenverschiebung darstellen.
Für jeden Wendepunkt hält die Synthese nicht nur fest, dass er stattgefunden hat, sondern auch, warum er als Wendepunkt fungierte — was er ermöglicht hat, was sich durch ihn verschoben hat und wie die folgenden Runden mit ihm weitergearbeitet haben. Diese Rekonstruktion des Verlaufs macht die Synthese zu einer Analyse und nicht nur zu einem Bericht.
Diese Disziplin gilt auch in negativer Richtung: Enthält eine Debatte keinen wirklichen Wendepunkt, soll die Synthese dies ausdrücklich feststellen, statt einen solchen zu erzeugen, nur um eine Kategorie zu füllen.
Für jeden Wendepunkt wird außerdem festgehalten, von welcher Stimme das betreffende Element stammt und was die anderen Stimmen anschließend daraus gemacht haben. Die Zuschreibung wird an einer konkreten Spur verankert — einer Runde, einer Formulierung. Beschrieben wird, was eine Stimme zu einem bestimmten Zeitpunkt tut, nicht, was sie vermeintlich ist.
Bevor eine Übernahme zugeschrieben wird, muss zudem die Architektur der Session berücksichtigt werden. In einer gekreuzten Debatte oder einem Trilog antworten die Stimmen innerhalb derselben Runde gleichzeitig und haben die Antworten der anderen noch nicht gelesen: Eine Ähnlichkeit innerhalb derselben Runde ist daher keine nachgewiesene Übernahme. Eine Zirkulation von einer Stimme zur anderen lässt sich frühestens ab der folgenden Runde feststellen. In einem alternierenden Dialog hat die zweite Stimme die erste dagegen gelesen: Eine Ähnlichkeit kann hier eine Übernahme sein, wird aber durch bloße Ähnlichkeit noch nicht bewiesen.
Drittens rekonstruiert die Synthese begriffliche Verschiebungen und Entwicklungen — Momente, in denen sich eine Position verändert, ein Begriff erweitert oder ein Rahmen durch einen anderen ersetzt wird.
Hier überschneidet sich die Integrative Synthese mit der Emergenzanalyse, ohne sie zu verdoppeln. Sie erwähnt ko-konstruierte Begriffe, weil sie zu dem gehören, was in der Debatte entstanden ist, kartiert sie jedoch nicht eigens entlang der sieben Achsen des Emergenzmodus. Die Synthese fügt sie in den Gesamtverlauf ein, ohne sie zum Gegenstand einer eigenständigen Untersuchung zu machen.
Schließlich rekonstruiert sie die Ankunftspunkte — worin die Modelle am Ende konvergieren, worüber weiterhin Uneinigkeit besteht und was mangels hinreichender Informationen offenbleibt. Hier berührt sie sich mit der Spannungskartografie, ohne deren analytische Tiefe zu übernehmen: Sie klassifiziert Meinungsverschiedenheiten nicht nach Art und Lösbarkeit, sondern hält sie als Teil der narrativen Bilanz fest.
Ebenso wichtig sind die Grenzen des Modus. Die Integrative Synthese bewertet nicht die argumentative Qualität der vertretenen Positionen — ein schlecht begründetes Argument kann dennoch korrekt als Teil der Debatte wiedergegeben werden. Sie dekonstruiert keine impliziten Rahmungen — das ist die Aufgabe der Meta-Analyse und der Kritischen Archäologie. Und sie projiziert nicht auf das, was die Debatte hätte hervorbringen können, ohne es tatsächlich hervorzubringen — dafür ist der Horizont der Möglichkeiten zuständig.
Sie bleibt im Register einer möglichst getreuen Rekonstruktion und akzeptiert dabei, dass Treue nicht mit vollständiger Transkription identisch ist, sondern eine verständliche Konfiguration des Materials voraussetzt.
Eine stabile Struktur, unterschiedliche Ausführungsformen
Die Integrative Synthese folgt einer stabilen Grundstruktur: der Rekonstruktion der Debatte und anschließend einer an die Modelle gerichteten Frage. Diese Struktur bleibt gleich, doch Detailgrad und Darstellungsweise können je nach Analysemodell, Instruktionen und Material deutlich variieren.
Eine Form bevorzugt die fortlaufende Narration. Die Synthese folgt dem Verlauf der Runden in zusammenhängender Prosa und rekonstruiert die wichtigsten Argumente, Zugeständnisse und Verschiebungen. Die Debatte wird dadurch beinahe wie eine Geschichte lesbar, allerdings in einer verdichteten und nach ihren wesentlichen Wendepunkten geordneten Form.
Eine zweite Form setzt stärker auf interpretative Verdichtung. Sie ist kürzer und hebt einige besonders prägnante Formulierungen oder Momente hervor. Dabei geht ein Teil der Granularität des Wortlauts verloren, während die Verschiebungen, die den Gesamtverlauf strukturieren, deutlicher hervortreten.
Eine dritte Form bevorzugt eine explizite Gliederung: nummerierte Abschnitte, Kategorien, Listen oder Tabellen, mit denen Positionen, Übereinstimmungen, Meinungsverschiedenheiten und Interventionen rasch lokalisiert werden können. Sie tauscht einen Teil der narrativen Kontinuität gegen bessere Navigierbarkeit ein.
In den auf Metamorfon verglichenen Beispielen erfassen solche Darstellungsformen in der Regel einen gemeinsamen substanziellen Kern — zentrale Wendepunkte, strukturierende Interventionen und verbleibende Meinungsverschiedenheiten —, verteilen das narrative Gewicht jedoch unterschiedlich. Die Wahl des Analysemodells kann darüber hinaus beeinflussen, was hervorgehoben, zusammengefasst oder in den Hintergrund gerückt wird.
Diese Unterschiede sind weniger als „Stile“ zu verstehen, zwischen denen man sich entscheiden müsste, als vielmehr als methodischer Hinweis: Eine Synthese ist stets eine selektive Rekonstruktion des Materials. Ihre Treue zeigt sich deshalb nicht in einer einheitlichen Form, sondern in der Genauigkeit ihrer Zuschreibungen, ihrer Verknüpfungen und des Verlaufs, den sie rekonstruiert.
Eine besondere Anforderung: Zuverlässigkeit der Rekonstruktion
Unter den acht Analysemodi ist die Integrative Synthese derjenige, bei dem die Treue zum Material das größte Gewicht besitzt. Der Wert der anderen Modi hängt zum Teil von dem jeweiligen Analyseraster ab; für eine Synthese dagegen ist Zuverlässigkeit eine Grundbedingung. Verzerrt sie das Gesagte, rekonstruiert sie auch den Verlauf nicht mehr korrekt.
Diese Anforderung hat Folgen für die Wahl des Analysemodells. Die Zusammenfassung von Dialogen ist besonders empfindlich gegenüber Fehlern bei der Sprecherzuordnung. Untersuchungen zeigen, dass auch leistungsfähige Zusammenfassungsmodelle unterschiedliche Stimmen einer Unterhaltung verwechseln und dadurch faktische Zuschreibungsfehler erzeugen können (Geng et al., COLING 2022).
In Metamorfon ist ein solcher Fehler — etwa ein von Modell A eingeführtes Argument Modell B zuzuschreiben — besonders schwerwiegend, weil er genau jene Entwicklung verfälscht, die die Synthese rekonstruieren soll.
Ein weiterer, für gekreuzte Debatten spezifischer Zuschreibungsfehler besteht darin, eine bloße Ähnlichkeit innerhalb derselben Runde als Übernahme zu interpretieren. Da die Stimmen die anderen Antworten dieser Runde noch nicht gelesen haben, lässt sich dort keine Zirkulation belegen. Eine Integrative Synthese muss deshalb nicht nur die Sprecher, sondern auch die genaue zeitliche Architektur der Session verfolgen.
Diese Anforderung gewinnt an Bedeutung, je länger das Material wird. Eine große Kontextlänge garantiert nicht, dass sämtliche darin enthaltenen Informationen mit gleicher Zuverlässigkeit genutzt werden. Die Leistung von Sprachmodellen kann insbesondere davon abhängen, an welcher Position im Kontext relevante Informationen stehen (Liu et al., TACL 2024).
In Metamorfon arbeiten die Analysemodi direkt mit den zehn jüngsten Runden im vollständigen Wortlaut. Frühere Runden werden, sofern sie für den Kontext weiterhin benötigt werden, in zusammengefasster Form übermittelt. Die Integrative Synthese kann diesen früheren Kontext daher berücksichtigen; ihre feinsten Zuschreibungen und ihre detaillierte Rekonstruktion des Verlaufs stützen sich jedoch zunächst auf das tatsächlich analysierte Rohfenster.
Für diesen Modus müssen daher Zuschreibungstreue und Nachvollziehbarkeit Vorrang vor rein stilistischer Qualität haben.
Abgrenzung zu den anderen Modi
Drei Abgrenzungen helfen, die Integrative Synthese innerhalb der Analysemodi genauer zu bestimmen.
Integrative Synthese und Meta-Analyse. Beide Modi arbeiten mit demselben Material, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Die Integrative Synthese rekonstruiert, was gesagt wurde und wie es innerhalb der Debatte zirkulierte — die Positionen, ihre Bewegung von einer Stimme zur anderen sowie explizite Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten. Die Meta-Analyse untersucht dagegen, was dieses Gesagte strukturiert — Axiome, epistemische Stile und blinde Flecken.
Die Synthese beantwortet die Frage: „Was war der Inhalt der Debatte, und wie hat er sich verändert?“ Die Meta-Analyse fragt: „Was hat diesen Inhalt in genau dieser Form möglich gemacht?“ Beide ergänzen sich: Die Synthese liefert das Material, die Meta-Analyse macht dessen Grammatik sichtbar. Implizite Rahmungen systematisch zu erfassen, ist nicht Aufgabe der Synthese, sondern gerade Gegenstand der Meta-Analyse.
Integrative Synthese und Emergenzanalyse. Beide beschäftigen sich mit dem Inhalt der Debatte, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Die Synthese rekonstruiert das gesamte analysierte Material in einem kohärenten Verlauf — sowohl das, was zu Beginn des betrachteten Fensters bereits vorhanden war, als auch das, was sich im weiteren Austausch entwickelt hat. Die Emergenzanalyse isoliert dagegen eine bestimmte Schicht: das, was im Austausch erscheint, ohne an dessen Ausgangspunkt bereits in dieser Form vorhanden gewesen zu sein.
Die Synthese beschreibt das analysierte Material als Ganzes; die Emergenzanalyse extrahiert dessen emergente Dimension.
Integrative Synthese und Spannungskartografie. Die Synthese hält fortbestehende Meinungsverschiedenheiten als Teil der Bilanz der Debatte fest. Die Spannungskartografie untersucht sie — anhand standardisierter Beschreibungen, ihrer Art und Lösbarkeit, übergreifender Spannungen und der unterschiedlichen Perspektiven, aus denen sie hervorgehen.
Die Synthese stellt fest, dass eine bestimmte Meinungsverschiedenheit fortbesteht; die Spannungskartografie fragt, warum sie fortbesteht, welcher Art sie ist und was nötig wäre, damit sie sich verschiebt.
Wenn die Meinungsverschiedenheiten selbst im Zentrum einer Debatte stehen, ist die Spannungskartografie das präzisere Instrument. Wenn eine Gesamtschau gesucht wird, die Konvergenzen, Meinungsverschiedenheiten, Verschiebungen und Zugeständnisse zusammenführt, ist die Integrative Synthese besser geeignet.
Ein mögliches Missverständnis sollte dabei vermieden werden: Die Integrative Synthese ist kein allgemeiner Modus, der die übrigen überflüssig macht. Sie ist ein narrativer Modus mit einer eigenen Funktion — die Debatte in einer lesbaren Form zu rekonstruieren. Die anderen Modi ergänzen sie analytisch, indem sie jeweils eine Dimension isolieren und vertiefen, die die Synthese nur berührt.
Wann sie sinnvoll ist — und wann nicht
Die Integrative Synthese eignet sich besonders für einige klar umrissene Situationen.
Erstens, wenn eine Debatte jemandem zugänglich gemacht werden soll, der ihr nicht gefolgt ist — einem Mitarbeiter, einem späteren Leser oder einem selbst nach mehreren Monaten. Für diese Form intelligenter Archivierung ist sie besonders wertvoll.
Zweitens, wenn zunächst ein Überblick über eine längere Debatte benötigt wird, bevor entschieden wird, welcher weitere Analysemodus sinnvoll wäre. Eine Synthese kann sichtbar machen, welche Bereiche eine vertiefte Untersuchung verdienen — starke Emergenz? hartnäckige oder besonders tief liegende Meinungsverschiedenheiten? ein impliziter Rahmen, der untersucht werden sollte? — und damit die Wahl einer ergänzenden Analyse erleichtern.
Drittens, wenn eine schriftliche Weiterverarbeitung vorbereitet werden soll — ein Artikel, ein Bericht oder ein Arbeitsdokument —, die sich auf die Debatte stützt, ohne sie vollständig wiederzugeben. Die Synthese liefert dafür verdichtetes, aber nachvollziehbares Material.
Weniger geeignet ist sie für sehr kurze Debatten, bei denen kaum etwas zu synthetisieren ist und die direkte Lektüre der Runden meist effizienter bleibt. Liegt das eigentliche Interesse ausschließlich auf einer bestimmten Dimension — etwa den Meinungsverschiedenheiten, emergenten Begriffen oder impliziten Rahmungen —, liefert der jeweilige spezialisierte Modus in der Regel eine ergiebigere Analyse.
Auch wenn die Analyse vor allem als Hebel für eine neue Benutzerintervention dienen soll — wenn also eine Frage gesucht wird, die die Positionen gezielt in Bewegung bringt —, sind andere Modi häufig geeigneter. Die Schlussfrage der Integrativen Synthese ist tendenziell allgemeiner, offener und weniger gezielt zugespitzt.
Die Schlussfrage: den Verlauf fortsetzen
Wie jeder der sechs beschreibenden Analysemodi von Metamorfon endet auch die Integrative Synthese mit einer Frage an die Modelle, die an der Debatte beteiligt waren. Der Charakter dieser Frage ist für den Modus typisch: Sie versucht weder, zu einer zentralen Meinungsverschiedenheit ein Zugeständnis zu erzwingen, wie es die Spannungskartografie tun kann, noch das Emergente durch gezielte Verengung weiter zu prüfen, wie es die Emergenzanalyse tun kann, noch einen virtuellen Möglichkeitsraum zu öffnen, wie es der Horizont der Möglichkeiten tut.
Stattdessen verlängert sie eher den argumentativen Verlauf, den die Debatte tatsächlich genommen hat — sie sucht die Frage, die sich als natürliche Fortsetzung ergäbe, wenn das Gespräch über seine letzte Runde hinaus weiterginge.
Sie verschiebt die Debatte nicht in erster Linie; sie führt sie weiter.
Als neue Benutzerintervention eingesetzt, erzeugt eine solche Frage typischerweise eher eine Fortsetzung als eine Veränderung des Rahmens. Das ist dort wertvoll, wo die Debatte bereits einen produktiven Verlauf gefunden hat, der weiterverfolgt werden soll. Weniger hilfreich ist es, wenn gerade ein Wechsel des Rahmens angestrebt wird; dafür sind die Schlussfragen anderer Modi oft besser geeignet.
Eine notwendige Zurückhaltung
Unter den sechs beschreibenden Modi ist die Integrative Synthese der am wenigsten demonstrative. Sie identifiziert keine neuen Begriffe wie die Emergenzanalyse, dekonstruiert keine impliziten Rahmungen wie die Meta-Analyse und fragt nicht nach den historischen Bedingungen wie die Kritische Archäologie. Ihr Anspruch ist bescheidener: möglichst getreu zu erzählen, was geschehen ist, und dies in einer Form, zu der man später zurückkehren kann.
Gerade darin liegt ihr Wert. Die fünf anderen beschreibenden Modi entfalten ihre Bedeutung besonders gut, wenn die Debatte zuvor in eine verständliche Form gebracht wurde — eine Spannungskartografie ohne nachvollziehbare Rekonstruktion verliert leicht ihren Bezugspunkt, eine Meta-Analyse ohne klar erfasstes Material ihren narrativen Boden. Die Integrative Synthese ist daher mehr als nur einer von sechs beschreibenden Modi: Sie bildet einen narrativen Ausgangspunkt, auf dem die anderen Analysen aufbauen können.
Wer eine Debatte gründlich untersuchen möchte, hat deshalb oft einen guten Grund, mit einer Synthese zu beginnen — nicht weil sie die Wahrheit der Debatte liefern würde, sondern weil sie diese teilbar, navigierbar und für weitere Arbeit verfügbar macht.
Das ist, um noch einmal auf Ricœur zurückzukommen, eine zentrale Leistung narrativer Konfiguration: Sie ersetzt die rohe Erfahrung nicht, sondern macht sie für denjenigen verständlich, der nicht dabei war — und häufig auch für denjenigen, der es war.
Literatur
- Paul Ricœur, Zeit und Erzählung, Band 1: Zeit und historische Erzählung, aus dem Französischen von Rainer Rochlitz, Wilhelm Fink, 1988 — Fabelkomposition, narrative Konfiguration und zeitliche Verständlichkeit.
- Ruochen Xu, Chenguang Zhu & Michael Zeng, Narrate Dialogues for Better Summarization, Findings of EMNLP 2022 — besondere Schwierigkeiten der Zusammenfassung mehrstimmiger Dialoge und Bedeutung der Interaktion zwischen den Sprechern.
- Zhichao Geng et al., Improving Abstractive Dialogue Summarization with Speaker-Aware Supervised Contrastive Learning, COLING 2022 — Sprecherverfolgung und faktische Zuschreibungsfehler bei der Dialogzusammenfassung.
- Nelson F. Liu et al., Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts, TACL 2024 — Grenzen einer gleichmäßigen Nutzung von Informationen in langen Kontexten.