Von einer begrifflichen Triade ist nur der Name Metamorfon geblieben. Die beiden anderen Begriffe verschwanden bereits in der Entwurfsphase. Daran lässt sich die Entwicklung des Projekts ablesen: Ursprünglich bezeichneten die drei Namen drei unterschiedliche Operationen. Als die Anwendung Gestalt annahm, zeigte sich, dass eine davon nicht von derselben Art war wie die beiden anderen.
Drei Namen für drei Bewegungen
Die Anwendung wurde zunächst um drei Bewegungen herum entworfen, die ein Dialog vollziehen kann.
Syntia bezeichnete Konvergenz: Positionen einander annähern und Verbindungen zwischen ihnen herstellen. Der Name entstand aus dem griechischen syn (σύν, „mit, zusammen“) und seinem Anklang an Synthese.
Dyfonia bezeichnete Dissonanz: Positionen in Spannung zueinander setzen und eine Formulierung an dem prüfen, was ihr widersteht. Das Griechische kennt diaphōnia (διαφωνία), „Mißton, Verschiedenheit“, und phōnē (φωνή), die Stimme. Das y lässt außerdem das Präfix dys- anklingen, das mit Schwierigkeit, Mangel oder Abweichung verbunden ist. Die Stimmen suchen nicht länger den Einklang, sondern erproben ihre Differenzen.
Metamorfon bezeichnete Transformation: den Moment, in dem Zustimmung, Einwand und Neuformulierung die Positionen selbst verändern, bisweilen sogar den Rahmen, in dem sie ursprünglich formuliert waren. Die Herkunft liegt offen zutage: metamorphōsis (μεταμόρφωσις), „Verwandlung“; metamorphōn, die Partizipialform von metamorphoō, wörtlich „verwandelnd“.
Drei Namen, drei getrennte Modi: Syntia orchestrierte die Konvergenz, Dyfonia organisierte die Dissonanz, Metamorfon verband beides. Die Asymmetrie war bereits angelegt. Die ersten beiden bezeichneten Arten, den Austausch zu führen; der dritte das, was mit den Positionen geschehen konnte, wenn diese Bewegungen aufeinanderfolgten.
Warum die Triade verschwand
Die weitere Arbeit zeigte, dass diese Trennung die Untersuchung einengte. Eine Frage lässt sich besser untersuchen, wenn sie mehrere dieser Bewegungen durchläuft, statt auf eine einzige festgelegt zu bleiben: aufbauen, der Kritik aussetzen, aufgreifen, was standgehalten hat, beobachten, was sich verschoben hat. Die Metamorphose war damit kein dritter Modus mehr; sie wurde zu einer möglichen Wirkung des Übergangs von einem zum nächsten.
Das Design wurde deshalb feiner aufgegliedert. Aus den drei ursprünglichen Bewegungen wurden fünf Debattenmodi: Konvergent, Konstruktiv, Ausgewogen, Kritisch und Refutativ. In den adaptiven Dialogarchitekturen kann der Nutzer innerhalb derselben Session zwischen ihnen wechseln. Adaptiv heißt nicht: automatisch. Der Nutzer liest den Stand der Debatte und wählt den nächsten Modus; eine Session wird so zu einer Trajektorie, die er steuern kann.
Die später hinzugekommenen Analysemodi untersuchen den Austausch, jeder mit einer eigenen Operation. Die Integrative Synthese rekonstruiert den Gang der Debatte. Die Emergenzanalyse identifiziert, was sich darin herausgebildet hat. Die Spannungskartografie untersucht die Meinungsverschiedenheiten, die bestehen bleiben. Die Meta-Analyse legt die impliziten Strukturen frei, welche die Positionen prägen. Die Kritische Archäologie geht den Formulierungen, Vokabularen, Ausschlüssen und Rahmungen nach, die die Diskussion abgesteckt haben. Der Horizont der Möglichkeiten formuliert, was die Debatte denkbar gemacht hat, ohne es auszusprechen. Die Argumentative Bewertung und die Quellenprüfung prüfen die Qualität der Argumentation beziehungsweise die Belastbarkeit ihrer faktischen Grundlagen.
Die Ideen, für die Syntia und Dyfonia standen, verschwanden nicht. Ihre Grenzen schon.
Transformation als Wirkung einer Trajektorie
In der Praxis zeigte sich etwas, das die ursprüngliche Triade nur unzureichend erfasste: Die Übergänge zwischen den Modi sind ebenso wichtig wie die Modi selbst. Eine Konvergenz, die über einen kritischen Umweg erreicht wurde, hat eine andere Geschichte als eine, die nie in Frage gestellt wurde. Ihre Formulierungen mussten sich Einwänden stellen: Einige wurden aufgegeben, andere neu formuliert oder gestärkt.
Dieser Umweg ist kein Wahrheitstest. Eine wahre These kann einem brillanten Einwand unterliegen; eine schwache Position kann sich dank geschickter Verteidigung halten. Doch eine Formulierung, die sich Einwänden stellen musste, hat nicht mehr denselben argumentativen Status.
Ein Gedanke Hegels erhellt diesen Punkt. Er nennt eine Negation bestimmt, wenn ihr Resultat den negierten Inhalt in sich enthält und zugleich eine neue Bestimmung hervorbringt. Die Analogie hat ihre Grenzen; sie erklärt zumindest, warum Konfrontation produktiv sein kann, ohne dass der Widerspruch Beweiskraft erhält.
Die Metamorphose wirkt auch auf einer zweiten Ebene. Eine Analyse bleibt der Debatte, die sie beschreibt, zunächst äußerlich: Eine Voraussetzung oder eine fortbestehende Spannung zu benennen, verändert den Austausch nicht nachträglich. Operativ wird sie erst, wenn sie in die Debatte zurückkehrt.
Wird die von bestimmten Analysemodi erzeugte Schlussfrage wortgleich wieder in die Session eingespeist, wird sie selbst zum neuen Gegenstand der Debatte. Die Spannungskartografie kann die Modelle genau an den Punkt zurückführen, an dem ihre Urteilskriterien auseinandergehen. Die Emergenzanalyse kann einen Begriff, den die Modelle gerade entwickelt haben, erneut aufgreifen und sie auffordern, ihn zu prüfen oder weiterzuführen. Die Meta-Analyse kann ihnen ein geteiltes Axiom oder einen blinden Fleck erneut vorlegen.
Die Analyse wird so zum Übergangsoperator, der Prozess zur Schleife: Die Debatte erzeugt ihr Material; die Analyse betrachtet es aus einem bestimmten Blickwinkel; daraus entsteht eine Intervention; diese verändert das Material der folgenden Runden.
Hier erschließt sich der Sinn des Namens. Die Metamorphose ist die Operation keines Modus. Sie vollzieht sich entlang einer Trajektorie: in Moduswechseln, in Neuformulierungen unter dem Druck von Einwänden, in Begriffen, die aus der Reibung zwischen Positionen entstehen, und in der erneuten Lektüre des Ganzen durch die Analyse, die der Debatte eine Frage zurückgibt, die sie selbst noch nicht gestellt hatte.
Warum der Name blieb
In dieser Architektur hatten Syntia und Dyfonia kein eigenes Modul mehr zu benennen. Ihre Logik bleibt: Syntia lebt dort fort, wo mehrere Positionen eine Verbindung herausarbeiten, die noch keine von ihnen in dieser Form enthielt; Dyfonia dort, wo ein Dissens lange genug bestehen bleibt, um die Positionen zu zwingen, ihre Differenz ausdrücklich zu machen.
Mit Metamorfon geschah etwas anderes. Als dritter Begriff der Triade bezeichnete der Name schließlich das Ergebnis der beiden anderen Bewegungen – und später der Bewegungen, die ihnen folgten –, wenn sie über die Zeit miteinander kombiniert werden. Der Name der Anwendung wurde damit zum Namen ihrer angestrebten Wirkung, nicht eines bestimmten Mittels.
Konvergenz baut auf; Dissonanz prüft. Im Übergang von der einen zur anderen verwandelt sich bisweilen etwas. Der Name hat diese Möglichkeit bewahrt.
Quellen
- Wilhelm Pape, Griechisch-deutsches Handwörterbuch, 3. Aufl., 1914, im Classical Language Dictionary (CLD) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – Einträge σύν, διαφωνία, φωνή, μεταμόρφωσις und μεταμορφόω.
- Douglas Harper, Online Etymology Dictionary – Eintrag „dys-“.
- G. W. F. Hegel, Wissenschaft der Logik I, in: Werke in zwanzig Bänden, Bd. 5, hg. von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1986, Einleitung, „Allgemeiner Begriff der Logik“, S. 49 – zur bestimmten Negation und dazu, dass im Resultat das enthalten bleibt, woraus es hervorgegangen ist. Text der Einleitung.